Mit zwölf habe ich zum ersten Mal einen Sommernachtstraum im Theater gesehen. Danach war klar, was ich machen will. Nicht auf der Bühne stehen, sondern die Menschen einkleiden, die darauf stehen. Die Figuren sichtbar machen, bevor sie ein Wort gesagt haben.
Ich habe Modedesign studiert, aber gemeint war immer das Kostüm. In den Beruf bin ich dann hineingewachsen, Produktion für Produktion, Fundus für Fundus. Über die Jahre wurde daraus mein eigenes Haus, das Theater im Kunstwerk, dazu Arbeiten an Opernhäusern, Stadttheatern und fast zehn Jahre am Naturtheater Heidenheim. Entwerfen, nähen, färben, umarbeiten, Regie führen, auf Flohmärkten nach Schätzen suchen. Ich könnte mich nicht entscheiden, was ich davon am liebsten mache. Es gehört für mich alles zusammen.
Was ich in all den Jahren gelernt habe: Es kommt nicht immer aufs Budget an. Ein gutes Budget erleichtert vieles, das stimmt. Aber ein kleines lässt der Fantasie freien Lauf. Manche der schönsten Kostüme meines Lebens sind aus fast nichts entstanden, aus einer alten Tischdecke, einem geerbten Mantel, drei Meter Stoff vom Flohmarkt.
Bis zur Pandemie habe ich durchgehend Theater gemacht. Dann habe ich eine Pause gebraucht. Heute lebe und schreibe ich viel aus meinem VW Bulli T4 heraus, den ich selbst umgebaut habe und der innen eigentlich aussieht wie eine kleiner Flohmarkt. Meine 3,5 Quadratmeter Wohnfläche sind gleichzeitig:
Tonstudio
Schneiderwerkstatt
Mal-Atelier
Schreibstube
und einfach ein Wohn-Ess-Schlafzimmer.
Gerade stehe ich in der Bretagne und arbeite an einer Dokumentation und einem Buch, die mir hier leichter von der Hand gehen als zu Hause. Das Schreiben ist über die Jahre ein zweites Zuhause geworden.
Aber das Theater lässt mich nicht los. Wenn ich übers Kostüm schreibe, will ich am liebsten sofort loslegen, schneidern, zeichnen, über den nächsten Flohmarkt streifen. Ab Herbst 2026 mache ich wieder ein Kostümbild. Es geht bei mir einfach nicht ohne.
